//Krampfaderpatienten werden oft nicht umfassend genug informiert

Krampfaderpatienten werden oft nicht umfassend genug informiert

Warum die meisten OPs bei Krampfadern sogar schaden können

“Vielen meiner Patienten ist nicht bewusst, dass es eine Alternative zur OP gibt”, sagt Manfred Renner, Krampfaderspezialist aus Regensburg. “Dabei gibt es eine sehr schonende und verträgliche Methode.”
Mehr dazu im Interview mit Dr. Manfred Renner, M.Sc.

Krampfadern können nur durch eine OP behandelt werden? Falsch!
Eine OP kann sogar schaden!

“Dies ist eine gängige Meinung, die vor allem von Operateuren vertreten wird. Als Betroffener sollten Sie aber wissen, dass es neben der OP noch verschiedene andere Möglichkeiten zur Behandlung gibt. Neben der klassischen Operation kommen heutzutage auch naturheilkundlichere Verfahren, wie z. B. das Einspritzen mit einem sekundenkleberähnlichen Wirkstoff oder die sogenannte “Kochsalzmethode” in Frage. Ich selber rate allen Patienten, sich vorab gründlich über alle Methoden zu informieren, um eine nebenwirkungsarme und passende Methode für sich zu finden.

Wo kann man sich umfassend beraten lassen?

Es gibt nur wenig Behandler, die die Methode anbieten. Bei denen, die diese Methode anbieten ist es wichtig darauf zu achten, dass sie genügend Praxis haben. Denn auch hier ist es letztendlich so: Übung macht den Meister. Sie wollen wahrscheinlich nicht als “Versuchskaninchen” herhalten, wenn ich das so sagen darf. Zum Beispiel ist meine Praxis darauf spezialisiert, Krampfadern und Besenreiser zu behandeln.

Ich dachte immer, Besenreiser sind relativ harmlos. Muss man diese behandeln oder sind sie allenfalls ein Schönheitsmakel?

Nein, leider nicht. Besenreiser sind oft ein erstes Anzeichen für venöse Schwäche. Hier sollte man tatsächlich hellhörig werden und sich untersuchen lassen, ob die Venen nicht schon eventuell eine Schwäche aufweisen.
Meist werden Besenreiser mit der Lasertherapie behandelt, aber meine Praxis ist voll von Patienten, welche nach einer nicht erfolgreichen Lasertherapiebehandlung von mir behandelt werden.

Sie haben über die Kochsalzmethode gesprochen – wie kann denn Kochsalz überhaupt bei Krampfadern helfen?

Lassen Sie mich das erklären. Sie wissen, Salz ist das älteste Konservierungsmittel der Welt. Im Prinzip funktioniert es so, dass z. B. Fleisch in Salz eingelegt wird und dann quasi Salz das Wasser herauszieht. Das bedeutet, Salz zieht Wasser an. Das Phänomen kennen Sie auch – wenn sie viel Salziges gegessen haben, haben Sie danach großen Durst. Und genau diesen Effekt machen wir uns zunutze, um Ihre Krampfadern schonend zu beseitigen. Ich injiziere mit einer speziellen Methode eine genau auf Ihren Körper abgestimmte Natriumchloridlösung in Ihre Krampfader. Dadurch trocknet die innerste Schicht der Vene aus und der Körper baut die Vene über die Lymphe im Laufe der nächsten Monate ganz einfach ab. Das heißt, wir helfen dem Körper sozusagen, genau das abzubauen, was nicht mehr funktioniert. Das macht dieses Verfahren so mächtig. Denn nichts ist so wirkungsvoll wie die Selbstheilungskräfte des Körpers selbst. Bei Besenreisern funktioniert es genauso. Die meisten Patienten mit Krampfadern können mit dieser Methode behandelt werden. Es muss jedoch eine genaue Untersuchung vorher stattfinden, um abzuklären, ob die Krampfader für diese Behandlungsform geeignet ist.

Herr Renner, das hört sich fast so einfach an um wahr zu sein?

Ja, diese Methode ist auch einfach aber nicht leicht auszuführen. Deshalb kommt es sehr auf die Erfahrung des Behandlers an, auf die saubere, sterile und präzise Arbeitsweise. Und nicht zuletzt spielt die Erfahrung des Behandlers eine Rolle. Ich hab nach 600 Behandlungen aufgehört zu zählen.

Und Sie konnten all denen helfen, die Sie schon behandelt haben?

Ich hatte bisher nur drei Patienten, bei denen diese Methode absolut nicht funktioniert hat.

Ist der Eingriff schmerzhaft?

Zunächst einmal: Sie werden schmerzfrei aus der Praxis wieder herausgehen. Dies ist ein großer Unterschied zu allen anderen Methoden, welche danach noch einen Bedarf an Schmerzmitteln haben. Der Eingriff selbst ist harmlos, da Sie noch nicht einmal eine örtliche Betäubung benötigen, geschweige denn eine Vollnarkose.
Aber – und da will ich auch ganz offen sein: es gibt in der Behandlung ein kurzes Ziehen, vergleichbar mit einem etwas unangenehmen Wadenkrampf. Dies ist für mich ein ganz wichtiges Zeichen, dass die Therapie wirksam ist. Nach einer Minute ist alles vorbei.

Was sagen dann die meisten Patienten dazu?

Die meisten sagen: “War das jetzt alles? Ich dachte, es würde viel mehr weh tun.”
Und wissen Sie – das Beste an dieser Methode ist etwas ganz anderes: während Sie bei einer OP mindestens vierzehn Tage, nicht selten sogar vier Wochen krank geschrieben sind, können Sie nach meiner Behandlung anschließend wieder zur Arbeit gehen.

Herr Renner, irgendwie wenn ich das so höre, klingt das so schön um wahr zu sein? Wenn das alles so einfach ist, warum wird das nicht mehr angeboten? Ehrlich gesagt habe ich noch nie von dieser Methode gehört!

Das hat einen einfachen Grund: die gesetzlichen Krankenkassen kommen in der Regel für eine aufwändige Operation auf, die viel teurer ist. Aber das merken natürlich die Patienten nicht, da es die Kasse bezahlt. Bei mir müssen die Patienten die Behandlung selbst bezahlen und manche möchten das nicht aus eigener Tasche bezahlen, auch wenn es sehr viel wirksamer ist, mit viel weniger Beschwerden zu rechnen ist und die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt wird. Da es nicht nachgefragt wird, wird es nicht viel angeboten. Das andere ist, es gibt nicht viele Therapeuten, die diese Methode gut beherrschen. Und solch eine Methode kann man nicht einfach so in einem Wochenendseminar erlernen, es braucht mindestens zwei Jahre Praxis und Übung. Das ist für die meisten Praxen, die eher allgemein behandeln, wirtschaftlich einfach nicht sinnvoll. Ich habe mich vor Jahren dazu entschieden, mich auf dieses Gebiet zu spezialisieren. Dass es nur wenige Therapeuten gibt, sehe ich daran, wenn ich auf meine Warteliste schaue.

Müssen die Beine nach jedem Eingriff wochenlang gewickelt werden? Brauche ich danach Kompressionsstrümpfe?

Der klassische Weg ist: Der Patient ist bei der Untersuchung seiner Venensituation beim Facharzt. Er bekommt danach die OP-Aufklärung mit, sowie den Hinweis einen Termin beim Narkosearzt zu machen und ein Rezept für Kompressionsstrümpfe beim Sanitätshaus, das sich meist “praktischerweise” in unmittelbarer Nähe zur Praxis befindet. Bei der Kochsalzmethode hingegen entfällt das Wickeln der Beine sowie das Tragen von Kompressionsstrümpfen völlig.

Sie haben vorhin gesagt, dass es einen kurzen Wadenkrampf geben kann. Kann ich dem vorbeugen mit dem Eincremen einer betäubenden Salbe, damit ich den Krampf nicht merke?

Da es nur ein Einstich ist, merken die Patiente davon meist nichts. Der Krampf ist ein wichtiges Zeichen und Teil der Behandlung, dass die Behandlung funktioniert. Er ist in der Regel nach einer Minute vorbei. Es macht bei der Behandlung mit Natriumchlorid keinen Sinn, die Beine mit einem Lokalanästhetikum einzucremen. Da es im Regelfall nur ein Einstich ist, benötigen Sie diese Creme vor jeder Blutentnahme genauso. Der kurze “Krampf” bzw. das Ziehen und Drücken findet beim Verschluss der Krampfader statt, welcher aber von der oberflächlichen Creme nicht beeinflusst werden kann.

Ich dachte immer, Krampfadern treten erst im Alter auf?

Mit einem ganz klarem “NEIN” muss ich diese Frage beantworten. In meine Praxis kommen Betroffene unterschiedlichen Alters – von 20 bis 85 Jahren ist alles bunt gemischt. Und übrigens sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen.

Kommen Krampfadern kommen nur an den Beinen vor?

Krampfadern machen uns in den Beinen am meisten aus. Gerade im Sommer wollen wir gerne “Bein zeigen”. Gerade im Urlaub wollen wir eine schöne, stressfreie Zeit haben und nicht Stress damit haben, unsere Beine verstecken zu müssen, weswegen Krampfadern an den Beinen vor allem als Problem wahrgenommen werden. Aber einfach gesagt sind Krampfadern nichts anderes als erkrankte Venen. Da Venen überall im Körper vorkommen, können Krampfadern nicht nur an den Beinen entstehen. Hier sieht man sie vor allem, darum denkt man meist bei Krampfadern gleich an dicke, ausgebuchtete Venen an den Beinen. Darum bin ich darauf spezialisiert, die Krampfadern an den Beinen zu behandeln.

Ich hab mal gehört, dass man Besenreiser auch über Nahrungsergänzungsmittel wie Traubenkernextrakt wegbekommt?

Letzte Woche sah ich wieder mal in einem Produktkatalog eines Herstellers für Nahrungsergänzungsmittel ein “Zauberprodukt”. Auf den beigefügten Vorher-Nachher-Bildern sah man zuerst einen von Besenreisern übersäten Unterschenkel, auf dem Nachher-Bild war ein komplett besenreiserfreies Bein zu sehen. Dies wurde auf die Einnahme des empfohlenen Produktes mit OPC, Vitamin C und Kupfer zurückgeführt. Eine Einnahmedauer oder Dosierung war nicht vermerkt. Hier war das Bildbearbeitungsprogramm wirksamer als das angepriesene Nahrungsergänzungsmittel. Ich persönlich halte die Einnahme von Vitamin C und OPC für viele Menschen empfehlenswert, da es starke Antioxidantien sind. Diese können hochdosiert eingenommen sicherlich eine Besserung bewirken oder ein weiteres Fortschreiten von Besenreisern minimieren. Eine alleinige Behandlung dadurch kann weder Krampfadern, noch Besenreiser therapieren.

Gibt es etwas, wie ich feststellen kann, ob Sie mir weiterhelfen können?

In der Regel kann ich dies meist durch ein paar gezielte Fragen am Telefon voraussagen, ob ich Ihnen weiterhelfen kann. Das empfehle ich vor allem denjenigen Patienten, die eine weite Anreise haben.

Herr Renner ist Montag bis Donnerstag von 8 bis 19 Uhr unter 09402-504 2880 zu erreichen.

2019-03-15T17:08:27+00:0028/01/2019|